Das Stativ

Hier erfahrt Ihr alles über die verschiedenen Stative

Stative sind vielseitiger und komplexer anwendbar, als sie von den meisten genutzt werden. Wir treffen sie unter Leuchten, Foto- und Videokameras. Drinnen auf sauber lackierten Studioböden und draussen auf rauem unebenem Gelände. Sie haben mal ein Bein, mal drei. Und sie bringen seit dem Beginn unserer Karrieren Stabilität in unsere multimedialen Produkte. Wir möchten uns in diesem Guide Beitrag auf Videostative und ihre korrekte Anwendung konzentrieren.

 

 

MATERIAL
Nebst den leichten und kostengünstigeren Einbein- und Fotostativen, gibt es die für Videoproduktionen vielseitig anwendbaren Videostative. Auf die Qualität lässt sich bereits beim ersten Blick auf die bei Beinen und Platte verwendeten Materialien schliessen. Zu Beginn der
Dreibeinstative wurde lackiertes Holz für die Beine verwendet. Dies wurde abgelöst von Plastik und Aluminium. Der Vorteil von Plastik ist das geringe Gewicht und die geringeren Kosten, jedoch ist die Stabilität damit kaum gewährleistet. Aluminium- oder Carbonbeine bietet bei Videostativen eine saubere Verarbeitung und weniger Vibrations- und Wackelanfälligkeiten.

BEINE, FÜSSE & SPREADER

 

Grosser Faktor für die wünschenswerte Stabilität ist die Anzahl Sektionen (Stages) eines Stativs. Diese entscheiden auch über die minimale und maximale Höhe. Ein mehrfach ausziehbares Stativ braucht weniger Platz beim Transport und hat eine kleinere Minimalhöhe, was sich in vielen Drehsituationen auszahlen kann. Ein ausziehbares Bein bietet auch mehr Stabilität, wenn es je zwei oder mehr Rohre (rods) besitzt. Umgekehrt ist ein nicht ausziehbares Stativ grösser, dafür kostengünstiger in der Anschaffung.

Single Stage

Double Stage

Die Beine sind meistens nicht nur ausschlaggebend für Maximalhöhe und Gewicht, sondern auch für das Packmass. Ein Studiostativ darf schwer und klobig sein, da spielt es kaum eine Rolle. Wer viel unterwegs ist braucht ein maximal effizientes und möglichst kompaktes Stativ. Eines der führenden Stative mit minimalem Packmass ist das STABILO von Cartoni.
Die Höhe des Stativs wird dann wie gewohnt der Drehsituation angepasst. Interviews und Statements sollten auf Augenhöhe eingefangen werden. Um jemanden stark und mächtig darzustellen wird von weiter unten gefilmt, um jemanden schwach oder süss darzustellen, von weiter oben.
Am Ende der Beine befinden sich die Stativfüsse. Grosser Pluspunkt sind abnehm- und wechselbare Füsse. Für gewöhnlich befinden sich welche mit Gummiaufsatz am Stativ, damit es rutschfest ist und auch z.B. Studioböden nicht verkratzt. Wenn diese entfernt werden kommen Spikes zum Vorschein,
welche sich für den Einsatz mit steinigem Untergrund eignet. Als Füsse sind ebenfalls Saugnäpfe oder Rollen möglich.
Auf dem Boden oder in der Mitte befindet sich bei jedem guten Stativ ein Spreader. Dieser verbindet die Stativbeine gleichmässig und bietet zusätzliche Stabilität. Der Floor Spreader‘ am Boden bietet mehr Stabilität als der in der Mitte angebrachte ‚Mid-level Spreader‘. Nur logisch ist es, dass der Spreader in der Mitte für mobile Anwendungen ein vielfaches praktischer ist, weil er Objekten am Boden nicht im weg ist. Fast alle Spreader sind nochmals seitlich ausziehbar. Damit wird ein breiterer Stand des Stativs ermöglicht, was wiederum mehr Stabilität bietet.

Fluidköpfe

Cartoni C20

Cartoni Smartpro

Sachtler DV12SB

Cartoni Focus HD

Nebst der bereits vielfach erwähnten und äusserst wichtigen Stabilität, macht ein Videostativ besonders der verwendete Kopf aus. Dieser wird mit einer international verwendeten Norm von 75, 100 und 150mm Kugeln in der Halbschale des Stativs angebracht. Der 100mm Kopf hat sich von diesen am besten durchgesetzt und gilt als unausgesprochener Industriestandard. Nach der Justierung des Stativs wird in der Anwendung gleich der Stativkopf kalibriert. Dazu wird er kurz losgeschraubt und mit Hilfe einer kleinen Wasserwage (sollte jedes Profistativ besitzen) in die richtige Position gebracht und wieder festgeschraubt. Top Stativhersteller wie die italienische Marke Cartoni verbauen für die Wasserwaage eine kleine Leuchte, damit der Kopf auch im Dunkeln justiert werden kann.

Bei der Wahl des Kopfes sollte man sich stark am Gewicht der Kamera orientieren. Angegeben werden meist Werte wie: 0-10kg oder 6-30kg u.s.w. Das Gewicht der eigenen Kamera (inklusive Objektiv und Zubehör!) sollte sich zwingend in der für den Kopf angegebenen Gewichtsklasse befinden.
Für Videostative eignen sich fast ausschliesslich Fluidköpfe für eine saubere Anwendung. Diese geben dem Nutzer die Möglichkeit für weiche wackelfreie Bewegungen mit der Kamera. Weniger verbreitet im Consumer Bereich und trotzdem sehr beliebt sind auch Lambdaköpfe. Der Unterschied ist die Tilt-
Drehachsenmitte. Bei normalen Fluidköpfen bewegt sich diese Achse nach vorne oder hinten mit, da sich die Mitte über dem Kopf befindet. Die Lambdaköpfe bewegen sich zentriert, wobei die Achsenmitte sich beim tilten nur minimal bis gar nicht bewegt.

 

FLUIDKOPF IN 7 SCHRITTEN EINSTELLEN

Die Justierung eines Kamerastativs lässt sich in acht chronologisch angewendeten Schritten optimal umsetzen:

1. Ort und Höhe auswählen


Bevor das Stativ zum Einsatz kommt muss man sich festlegen, wo genau die Kamera positioniert werden soll. Beim Stativ werden dann nach Notwendigkeit noch Beine ausgefahren. Bei Stativen mit mehreren Sektionen, immer erst die dickeren Beine ausfahren. Sie bieten mehr Stabilität als die dünneren.

2. Horizont leveln

Um den horizontalen Level anzupassen, kann der Stativkopf auf der unteren Seite aufgeschraubt und angepasst werden. Für gewöhnlich orientiert man sich an der eingebauten Wasserwaage, um den Stativkopf möglichst gerade festzuschrauben. Ab und zu sollte man seine kreative Freiheit nutzen und neue Winkel ausprobieren. Beispielsweise kann man den Kopf auch zu einem schrägen Horizont leveln.

3. Balance Kamera

Als nächstes sollte die Kamera auf der Schnellverschlussplatte mittig angepasst werden, so dass der Schwerpunkt von Kamera, Stativ und Zubehör in der Mitte liegt.

4. Counter balance

Dieser Schritt ist essentiell für die korrekte Nutzung eines Fluidheads. Die ‚Balance‘ des Stativs muss dabei erst minimiert werden. Dies funktioniert über ein Drehrad an der Vorderseite des Kopfes. Die Kamera sollte nun beim tilten in jeder Position stehen bleiben. Wenn dies der Fall ist muss es wieder soweit angezogen werden, dass die Kamera minimal zur Mitte zurück-tiltet.

5. Tilt drag

Mit dem Drehrad an der Seite des Stativkopfes kann nun die Tilt-Härte eingestellt werden. Diese richtet sich nach dem Gewicht der Kamera und der Drehsituation. Mit einer härteren Einstellung gibt es die weicheren Bewegungen, jedoch kann dies für manche Szenen zu langsam sein. Ebenfalls brauch es dafür ein stabiles Stativ.

6. Pan Drag

Wie im Schritt vorher muss nun auch der Pan Drag eingestellt werden. Die Stärke der seitlichen Bewegungen sollte ebenfalls der Drehsituation angepasst werden.

7. Handle Position

Zuletzt sollte die Position des Griffs angepasst werden. Indem man den gewünschten Schwenk nachspielt, merkt man schnell wie der Griff optimal eingestellt werden muss, damit er auch am Ende der Bewegung noch gut greifbar ist.
Mit dieser korrekten Einstellung, vor allem der Counter Balance, bleibt die Kamera nach einer Bewegung stehen. Dies eignet sich besonders bei der Nutzung von Teleobjektiven.

 TIPP’s und Tricks
Mit dem Stativ gibt es einen einfachen Trick um eine Kranfahrt zu simulieren, welcher eine echte nicht ersetzt, aber in der ein oder anderen Situation nützlich sein kann. Der Videokopf muss dazu etwas härter eingestellt werden. Wenn man das Stativ nun über den Schwerpunkt hinauskippt, so dass es nur noch auf zwei Beinen steht, kann eine Vorwärtsbewegung getätigt werden. Die eine Hand ist dabei am Stativring und die andere befindet sich am Griff des Kopfs, um mitzu-tilten. In unserem Video stellen wir diesen Vorgang mit einem Beispiel vor.
Wer mit einer richtige Kranfahrt filmen möchte, kann sein Stativ mit dem Cartoni Jibo aufrüsten. Dies ist ein kleiner Kran, welcher mit einer 100mm Kugel auf ein Stativ befestigt werden kann. Mit Gegengewichten wird dieser ausbalanciert, was eine weiche Bewegung mit 2m Radius ermöglicht. Ein Stativkopf mit 100mm Kugel kann vorne am ‚Jib‘ befestigt werden, was weitere tilt und pan Bewegungen ermöglicht. Bei Auf- und Abwärtsbewegungen bleibt die Kamera dank Doppelrohrtechnik horizontal gerade.

 

ZUSAMMENFASSUNG
Zusammengefasst: Beim Stativ ist die Stabilität entscheidend. Wenn man es in die Hand nimmt und schüttelt, merkt man bereits ob es den eigenen Ansprüchen entspricht. Ein schneller Test ist auch, wenn man das am Boden stehende Stativ an der oberen Platte festhält und seitlich dreht. Ein Stativ das hier rutscht oder sich zu stark mitbewegt wird im Einsatz unsaubere Aufnahmen liefern. Wer kein
Hobbyfilmer ist, sollte sich ein hochwertig verarbeitetes Aluminium oder Carbon Stativ holen. Je nach Kamerasystem sollte ein Stativ und Kopf für die optimale Nutzlast gewählt werden. Grösse, Stages und Anzahl Rohre sollten dem geplanten Nutzen entsprechen. Nehmen sie sich auch die Zeit für die optimale Einstellung des Stativkopfs. In unserem Guide Video wird dieser Vorgang nochmals genauer erläutert.
Wir empfehlen für Videostative die Marke Cartoni. Mit über 80 Jahren Erfahrung und diversen Patenten für ihre innovativen Technologien, bieten sie ein vollumfängliches Angebot für den Semi-Pro- und Profibereich.